Elektronische Handelsplattformen Neben dem traditionellen außerbörslichen Handel und den bestehenden Bond-Handelssystemen der Börsen haben sich in den letzten Jahren zunehmend elektronische Handelsplattformen im Handel von Zinspapieren etabliert. Bei der Entwicklung der elektronischen Handelsplattformen spielte häufig die Einsparung von Makler-Gebühren eine nicht unbedeutende Rolle. Waren viele von ihnen in der Anfangszeit in den 1990er Jahre nur auf Staatsanleihen im Benchmark-Format spezialisiert, so erfolgte spätestens mit Inbetriebnahme der Plattform von EuroCreditMTS im Jahr 2000 auch die Ausdehnung auf Jumbo-Pfandbriefe und Jumbo-Covered Bonds. EuroCreditMTS ist dabei bislang das einzige System, das ausschließlich auf den Handel von Pfandbriefen und europäischen Covered Bonds ausgerichtet ist. Die Plattformen unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. So bieten viele von Ihnen heute neben den traditionellen Handels- und Abwicklungsfunktionen auch weitere Value-Added-Funktionen an, wie Researchfunktionen, Test-Trades, Compliance-Services, Risikomanagement etc. Bei den elektronischen Handelsplattformen ist zwischen Business to Business-Modellen, sogenannte Inter-Dealer-Systeme, und Business to Customer-Modellen, hierunter fallen Single- oder Multiple-Dealer-Systeme, zu unterscheiden: B2B Inter-Dealer-Systeme unterstützen den elektronischen Handel der Investmentbanken untereinander. Es werden ausschließlich Market-Maker zugelassen, Investoren können nicht am Handel teilnehmen. So gehen die Teilnehmer bevor sie aufgenommen werden in der Regel eine schriftlich fixierte Market-Maker-Verpflichtung ein, die Ihnen die Preisstellung für eine Mindestanzahl von Bonds vorschreibt. Bedeutende Anbieter von Inter-Dealer-Systemen sind EuroCreditMTS und Eurex-Bonds.
B2C I. Bei Single-Dealer-Systemen haben Investoren die Möglichkeit Kauf- und Verkaufgeschäfte mit einem bestimmten Market-Maker durchzuführen. Der Zugang des Investors zum Dealer erfolgt dabei über spezielle Anwendungen oder das Internet. Als Beispiel für ein Single-Dealer-System kann die Deutsche Bank Autobahn angesehen werden. Kunden der Deutschen Bank können hier auf die ausschließlich von der Deutschen Bank gestellten Preise handeln.
II. Bei Multi-Dealer-Systemen hingegen kann der Investor auf die Quotes unterschiedlicher Dealer zu ein und demselben Wertpapier zurückgreifen. In vielen Fällen zeigt das System dem Investor zu einem gewünschten Wertpapier den besten Geld- und Briefkurs an. Ferner hat der Investor bei vielen Systemen die Möglichkeit, für ein bestimmtes Handelsvolumen einzelne Dealer um aktuelle Quotierung zu bitten, an die sich diese dann für einen festgelegten Zeitraum gebunden fühlen. Bekannte Beispiele für Multi-Dealer-Systeme sind Bloomberg und Reuters. In beiden Fällen kann der Investor über das ihm zur Verfügung stehende Anwendungspaket (neben der Handelsplattform sind dies vor allen Dingen Nachrichten-, Analyse und Quoting-Tools) unter den Preisen verschiedener Market Maker wählen. Eine bilaterale Vereinbarung mit den einzelnen Preisanbietern ist in jedem Fall notwendig. Auch Tradeweb fällt in diese Kategorie von elektronischer Plattform.
III. Eine Unterart der Multi-Dealer-Systeme sind die sog. Auction Systems. Diese ermöglichen es Emittenten, die Auktion von Wertpapieren elektronisch durchzuführen. Dabei gibt es Plattformen, die ausschließlich Primärmarkttransaktionen ermöglichen, andere ermöglichen auch Verauktionierungen im Sekundärmarkt. Der Verkäufer oder Emittent hat in beiden Fällen die Möglichkeit, die Parameter der Auktion vorzugeben (z.B. Preisspanne, Buchöffnung, Single-/Multiple-Price-Orders, Teil-Orderausführung etc.). Anschließend haben die Investoren dann die Möglichkeit, Gebote abzugeben. Ein gutes Beispiel für ein Auktionssystem ist die Handelsplattform BondVision, die zur MTS-Gruppe gehört. Je nach Auktionsart, erfolgt auf solchen Plattformen die Zuteilung zugunsten der höchsten Preise bzw. der niedrigsten Renditen. Verschiedene Systeme unterscheiden sich in Bezug auf die Publizität der Gebote. Während einige Plattformen Anonymität der Gebote zusichern, wird auf anderen der Bieter, sein Gebotsvolumen, sein Preis oder alles gemeinsam veröffentlicht.
IV. Cross-Matching-Systeme erlauben es Investmentbanken und Investoren, Kauf- und Verkaufsorders für bestimmte Wertpapiere elektronisch zu erfassen. In der Regel handelt es sich auch hierbei um Multi-Dealer-Systeme. Sobald das System eine Übereinstimmung zwischen einer Kauf- und einer Verkaufsorder feststellt, erfolgt die Ausführung automatisch. Besonders die elektronischen Handelsplattformen BrokerTec und eSpeed, die Inter-Dealer-Brokern gehören, sind als Cross-Matching-Systeme zu nennen. In beiden Fällen gibt es gemeinsame Liquiditätspools für den elektronischen Handel und das Telefon-Brokerage. D.h. im Gegensatz zu anderen Systemen fallen hier Maklergebühren an.
Links zu einigen Plattformen mit Europa-Fokus: Bloomberg Bond Trader (incl. Pfandbriefe/Covered Bonds): http://www.bloomberg.com/ BondVision (incl. Pfandbriefe/Covered Bonds): http://www.bondvision.net/new/content/about/company.php BrokerTec: http://www.brokertec.com/ Deutsche Bank Autobahn (incl. Pfandbriefe/Covered Bonds): https://www.autobahn.db.com/index_frames.jsp eSpeed: http://www.espeed.com/ Eurex Bonds (incl. Pfandbriefe/Covered Bonds): http://www.eurex-bonds.com/ EuroCreditMTS (ausschließlich Pfandbriefe/Covered Bonds): http://www.eurocreditmts.com/ MarketAxess (incl. Pfandbriefe/Covered Bonds): http://www.marketaxess.com/index.html Reuters (incl. Pfandbriefe/Covered Bonds): http://about.reuters.com/productinfo/tradingfi/?user=1
Trade Web (incl. Pfandbriefe/Covered Bonds): http://www.tradeweb.com/
|